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Bevor ich Ihnen, meine sehr geehrten Damen und Herren, hier meine Zielsetzungen,
sowie meine Ambitionen und Ausgangskriterien zur Durchführung meiner Diplomarbeit
zusammenfassend erläutere, möchte ich, gleich jetzt und hier am Beginn
dieses Protokolls, in aller Form meine tief empfunden Dankbarkeit namentlich
denjenigen Personen und Institutionen gegenüber Ausdruck verleihen, ohne
welchen die Entstehung, als auch das Gedeihen hin bis zur Fertigstellung
meiner Diplomarbeit nicht möglich gewesen wäre!
Zu vorderst danke ich meinem ganz großen Vorbild, meinem sehr verehrten
Herrn Univ.-Professor Dr. Max Haller, der mir durch sein großes Fachwissen
wie durch wertvollen Rat und seine persönliche Betreuung, als auch durch
seine brillanten Publikationen über alle Hürden und Schwierigkeiten hinweghalf.
An dieser Stelle auch meinen Dank an die Universität in Zilina/Slowakei,
Lehrstuhl für Sozialwissenschaften, insbesondere Hrn. Dipl.-Ing. Marácek
und Fr. Judr. Eva Kováciková für Ihre umfassende Unterstützung, als auch
die Karl-Franzens-Universität Graz und die Studenten an den beiden Universitäten,
welche mir bei meiner empirischen Erhebung der wechselseitigen Stereotypen
durch die Beantwortung meines Pretests, sowie im Weiteren auch meines
Fragebogens einen ganz großen und unverzichtbaren Dienst erwiesen haben.
Zuletzt noch Dank an alle, die mir bei den sprachlichen und stilistischen
Korrekturen geholfen haben.
In unseren Zeiten der Globalisierung und im Speziellen, unter dem Eindruck
des Faktums eines nach wie vor wachsenden europäischen Zusammenschlusses
auf soziologischer, als auch ökonomischer Ebene entstand in mir der Eindruck,
dass jedwedes wachsen von tieferen Verständnis zwischen den Völkern Europas
auf der empirischen Untersuchung des historisch bedingten Unverständnisses
auf soziologischer Basis beruhen muss.
Durch meine Herkunft, als ehemaliger slowakischer Flüchtling und meinen
Beobachtungen und Eindrücken meiner heutigen Heimat Österreich entstand
das Anliegen in mir, die Oberflächenphänomene, welche die verzerrten und
unrealistischen Bildern in beiden Nachbarländern jeweils voneinander repräsentieren,
näher zu untersuchen, auf ihre Ursprünge zu stoßen und ihre anachronistische
und kontraproduktiven Eigenschaften in unserer Gegenwart zu beleuchten.
Eine der wichtige Zielsetzungen meiner Arbeit ist es also, die wechselseitige
Sichtweisen und historisch bedingten Zuschreibungen der Österreicher und
Slowaken empirisch-soziologisch zu untersuchen. Hier stieß ich bald auf
eine starke historische Kompersistenz, welche dieses Problem zweifelsfrei
aufzuweisen hat.
Wenn es sich bei den positiveren Beispielen, welche von mir in meiner
Diplomarbeit aufgezeigt werden, noch um wechselseitige Klischees und Stereotypen
handelt, so sind im negativeren Feld zumeist abwertende Vorurteile bestimmend.
Diese Tatsachen motivierten mich unter anderem dazu, mir dieses Thema
als ein Anliegen meinerseits, das spezifische Verständnis zwischen dem
Grenzland zum Osten Österreich und dem Grenzland zum Westen, den Nachbarn,
die Slowakei in einer umfassenden empirischen Untersuchung aufzudecken,
zu beleuchten und hier Ansätze zu einem realistischeren Bild auf beiden
Seiten, bzw. der Hinterfragung desselben im wissenschaftlichen Sinne zu
bewirken. Hinzu kommt das grundsätzlich verbreitete West-Ost-Denken, das
einer imaginären, trennenden Grenze gleichkommt, welche Europa noch heute,
also lange nach der Ostöffnung, in zwei Teile spaltet. Eine Teilung, welche
in den Köpfen der Menschen, aber nicht auf den Landkarten Wirkung zeigt.
Meine
Arbeit habe ich in drei empirische Hauptteile gegliedert:
Im ersten Teil werden die sozio-historischen Beziehungen zwischen der
Slowakei und Österreich beleuchtet. Im Laufe des historischen Exkurses
werden die engen, ja untrennbaren, Jahrhunderte alten Verknüpfungen zwischen
den beiden Ländern in verschiedener Hinsicht dokumentiert.
So war z.B. Wien in manchen Perioden ein Zentrum der slowakischen Intellektuellen.
So manchen Nachwirkungen zeugen hiervon bis zur heutigen Zeit. Zum Beispiel
Lehnwärter, sowohl in der slowakischen wie auch der Österreichischen Sprache.
Den zweiten empirischen Hauptteil widme ich der Analyse der Presseberichte.
Hier werden u.a. die Tendenzen in der Berichterstattung aufgezeigt.
Die Presseberichte sind nach Thematiken geordnet. (Meciar, Mochovce, usw.).
Die Recherche wurde von mir selbst in beiden Ländern durchgeführt.
Im dritten Teil präsentiere ich die Ergebnisse der Umfragen, durchgeführt
an der Grazer Universität und in der Slowakei an der Universität in Zilina..
Diese Umfrage unterstützt meine Hypothesen über die wechselseitigen Vorurteile.
Eine der ausführlicheren Kapitel behandelt die verschiedenen Kategorien
der Stereotypen und Vorurteile. Die wechselseitigen Zuschreibungen von
Eigenschaften zwischen den Angehörigen verschiedener Völker ist ein sehr
wichtiges Thema in meiner Arbeit und wird deshalb auch dermaßen umfassend
von mir behandelt. Sie dienen als eine Art Fundament meiner Hypothesen
über die Art der wechselseitigen Wahrnehmungen. Hier in diesem Gesamtkontext
interessiert mich die Funktionsweise der Stereotypen, Vorurteile und Images
in hohem Maße und werden von mir dementsprechend genau untersucht. Hierbei
geht es um die soziologische wie die psychologische Funktion, welche in
diesem spezifischen Bezug miteinander zu einer untrennbaren Einheit verschmelzen.
Mein Befund: Stereotypen und Vorurteile haben
die Funktion, rasche Orientierungsmodelle zu generieren und somit eine
psychische Entlastung zu bewirken und schließlich auch Verhalten anzuleiten.
In diesem Zusammenhang spreche ich von einer Orientierungsfunktion, einer
Entlastungsfunktion und einer Zuordnungsfunktion, welche einen Maßstab
für bestimmte Entscheidungen darstellt, die nach dem Eigengruppe-Fremdgruppe-Verhaltensmodus
erfolgen.
Einer der Punkte im Zusammenhang mit der Diskussion des Terminus Vorurteile
sind die hiermit verbundenen Begriffe Nationalismus, sowie die Ursachen
und Konsequenzen des ethnozentristischen Denkens. Hier ziehe ich den sozio-historisch
verifizierbaren Schluss, dass die slawischen Völker immer schon und teilweise
auch noch heute als nicht gleichwertig betrachtet werden.
Diese Sicht kam aus meiner Sicht in der k.k-Monarchie sehr vehement zum
Ausdruck und hat sich bis zum heutigen Tag nicht wirklich verflüchtigt.
Meine Arbeit beinhaltet in seinem zweiten empirischen Hauptteil eine Analyse
von Presseartikeln in Österreich und in der Slowakei über das jeweils
andere Land seit dem Jahre 1945. Diese lassen erkennen, wie sehr sich
die Aufmerksamkeit der Slowaken in Richtung Europa und Westen, explizit
Österreich gewandelt hat.
Der slowakische Kulturverein Matica Slovenska mit Sitz in Martin, welche
im Besitze von allen Zeitungen, Zeitschriften, Büchern und anderen Medien
ist, konnte mir durch ihre Recherchedienste eine Erhebung über die Häufigkeit
von Artikeln zur Verfügung stellen, die das slowakische Nachbarland Österreich
zum Thema hatten. Diese Sammlung von medialen Inhalten wurden in der Slowakei,
bzw. in slowakischer Sprache herausgegeben. Von 1945 bis 1967 war Österreich
der slowakischen Presse nur geringfügige Aufmerksamkeit wert, welche im
legendären Jahr 1968 einen kleinen Aufschwung zu verzeichnen hatte. Ins
eigentliche Medieninteresse gelangte Österreich in der slowakischen Presse
erst seit 1994. Das zeigt deutlich, dass Österreich seit dem Wandel hin
zur Öffnung zum Westen mit neuem, wachsenden Interesse bei den Slowaken
wahrgenommen wurde. Die Analyse zeigt, dass die Österreichische Berichterstattung
über die Slowakei seit den 90er-Jahren hauptsächlich negativ ausgerichtet
war. Wenn es sich um Themen wie das Atomkraftwerk Mochovce, den Präsidenten
Meciar und die Unterdrückung der slowakischen Minderheiten handelte, kam
dies deutlich zum Ausdruck.
Meine von mir eingebrachten Zeitungsrecherchen im Anhang zeigen eine kurze
Retrospektive betreffend die Jahre 1993 bis 1996 und vermitteln ein lebhaftes
Bild über die Art und Weise, wie Österreich sein Nachbarland Slowakei
wahrnahm.
Als weitere Grundlage für die empirische Erhebung der wechselseitigen
Stereotypen führte ich einen Pretest in drei slowakischen Städten, Zilina,
Martin und Bratislava durch. Es wurden über 200 Personen die folgenden
zwei Fragen gestellt: Was fällt Ihnen ein, wenn Sie das Wort `Österreich
hören? und "Was fällt Ihnen ein, wenn Sie das Wort `Österreicher`
hören?"
Die Ergebnisse meiner Arbeit zeigen ein recht
positives Bild Österreichs bei den Slowaken: Stichwörter wie Kultur, Denkmäler,
Walzer, Oper, auch Sauberkeit und Ordnung, schöne Natur, gepflegte Städte,
Neutralität, Europa, viele gute Waren, Geschäfte, schöne Kleidung usw.
sind vorherrschend. Beim Stichwort Österreicher sind es Begriffe wie:
solventer, reicher materiell gut gesicherter Mensch, extrem selbstbewusst,
seriös aber eingebildet und arrogant. Wenn man die Österreicher fragt,
was ihnen zum Thema Slowakei einfällt, sind es Begriffe wie: starr strukturiert,
instabil, bürokratisch, schlechtes Sozialsystem.
Während das Stichwort Slowake die Österreicher mit konservativ, eher erfolglos,
Nationalist, freundlich, ein guter Gastgeber, nicht besonders selbstbewusst
assoziieren.
Ich vermute, dass diese Sichtweise der jeweiligen Länderimages, sowie
die Vorurteile den Menschen gegenüber daraus resultieren, dass die Österreicher
ihre Informationen über die Slowaken und ihr Land hauptsächlich über die
Medien beziehen, die selber relativ stark vorurteilsbehaftet ausgerichtet
sind, während die Slowaken ihre Meinung eher aus Bildungseinrichtungen
und praktischen Erfahrungen schöpfen, was zu weniger vorurteilserzeugenden
Bildern führt.
Weiters ergaben meine Studien, dass die Slowakei noch immer mehrheitlich
Osteuropa zugeordnet wird, schneidet also in dieser Hinsicht deutlich
schlechter ab als Tschechien.
Für die Hauptbefragung entwickelte ich einen Fragebogen, mit dem jeweils
100 bis 120 Studenten in beiden Ländern an der Universität in Zilina/Slowakei
und der Universität Graz befragt wurden. Neben mehreren soziodemografischen
Merkmalen enthielt der Fragebogen die Aufforderung, zum Wort Slowakei
(in Österreich) sechs Assoziationen anzukreuzen. Die Begriffe wurden dem
Pretest entnommen und den Befragten in einer Liste vorgegeben. Ebenso
enthielt der Fragebogen ein Polaritätsprofil betreffend die Slowaken,
Tschechen, die Deutschen und die Österreicher. In einem angeschlossenen
Teil wurde die Frage erhoben, zu welchen Teilen Europas - West-, Mittel-
oder Osteuropas - Österreich, die Slowakei, Tschechien, Deutschland und
die Ukraine gehören würden. Es gab Aussagen über die Österreichisch-ungarische
Monarchie, sowie über die Slowakei und Österreich heute, wie auch die
Beziehungen zwischen der Slowakei und Österreich.
In der Auswertung wird wiederum deutlich, dass von österreichischer Seite
her negativ behaftete Vorurteile über die Slowakei bestehen (Stichworte,
wie Mochovce, Osterweiterung, Ostblock tauchten häufig auf), während die
Slowaken von den Österreichern zwar ein klischeebehaftetes, aber eher
positiv-romantisches Bild haben. Das Stichwort Nachbarn wird von den Slowaken
häufig genannt, wenn man von Österreich spricht. Dies spricht meiner Ansicht
nach wieder für die Verschiedenheit der Informationsquellen, aus denen
die jeweiligen Menschen der beiden Länder ihre Meinungen entwickeln und
bilden.
In
meiner Zusammenfassung arbeite ich die wechselseitigen Images noch einmal
in aller Deutlichkeit heraus.
Nach
Prüfung der vorliegenden Ergebnisse und Schlüsse komme ich zu dem Schluss,
dass das Image der Österreicher bei den Slowaken durchaus ein positives
ist; Österreich ist ein reiches Land, die Menschen sind sozial gut abgesichert,
freundlich, gut angezogen und selbstbewusst; das Land ist gepflegt und
sauber und auch relativ sicher. Auch historisch und kulturell wird Österreich
als bedeutend betrachtet; eine negative Seite ist, dass Österreicher arrogant
sein können.
Demgegenüber ist das Image der Österreicher im Vergleich eher von Vorurteilen
geprägt: Die Slowakei ist immer noch nicht ein demokratisches Land, ein
Billiglohn-Land, dessen Arbeitskräfte den Österreichischen Arbeitsmarkt
bedrohen; arm, rückständig, instabil und auch ein Exporteur von Kriminalität.
Dies ist das Ergebnis meiner Umfrage im Überblick.
Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass ich hoffe mit meiner Arbeit
nicht nur allgemein, also für jedwede Länderbeziehung aufzuzeigen, welche
Barrieren es zu überwinden gibt, um ein besseres, also realistischeres
Bild und somit Verständnis von einem Nachbarland zu erlangen, sondern
auch durch das Aufzeigen der Funktionsweisen der wechselseitigen Stereotypen
und Vorurteile einen kleinen Beitrag zu einer besseren Völkerverbindung,
nicht zuletzt auch im Hinblick auf die EU-Osterweiterung erbracht zu haben.
Univ.-Professor Dr. Max Haller; Leiter INSTITUT FÜR SOZIOLOGIE, Abt. für
Gesamtgesellschaftliche Analysen und Methoden d. empirischen Sozialforschung,
Graz
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