Title:

ÖSTERREICH - SLOWAKEI: Gegenseitige Wahrnehmungen, Vorurteile, Stereotypen.

Description:  ÖSTERREICH - SLOWAKEI: Kultur, Walzer, Oper, schöne Natur, gepflegte Städte...
Author:Ivan Siptak
deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
  Wir empfehlen:       
 


ÖSTERREICH - SLOWAKEI: 

Gegenseitige Wahrnehmungen, Vorurteile, Stereotypen.

 

Mag. Ivan Siptak, Student der Karl-Franzens-Universität Graz, Mai.1999, 124 Seiten und 63 Seiten Anhang.

Achtung Staatsgrenze!!!

(Nur Staatsgrenze?)

 

Bevor ich Ihnen, meine sehr geehrten Damen und Herren, hier meine Zielsetzungen, sowie meine Ambitionen und Ausgangskriterien zur Durchführung meiner Diplomarbeit zusammenfassend erläutere, möchte ich, gleich jetzt und hier am Beginn dieses Protokolls, in aller Form meine tief empfunden Dankbarkeit namentlich denjenigen Personen und Institutionen gegenüber Ausdruck verleihen, ohne welchen die Entstehung, als auch das Gedeihen hin bis zur Fertigstellung meiner Diplomarbeit nicht möglich gewesen wäre!

Zu vorderst danke ich meinem ganz großen Vorbild, meinem sehr verehrten Herrn Univ.-Professor Dr. Max Haller, der mir durch sein großes Fachwissen wie durch wertvollen Rat und seine persönliche Betreuung, als auch durch seine brillanten Publikationen über alle Hürden und Schwierigkeiten hinweghalf.

An dieser Stelle auch meinen Dank an die Universität in Zilina/Slowakei, Lehrstuhl für Sozialwissenschaften, insbesondere Hrn. Dipl.-Ing. Marácek und Fr. Judr. Eva Kováciková für Ihre umfassende Unterstützung, als auch die Karl-Franzens-Universität Graz und die Studenten an den beiden Universitäten, welche mir bei meiner empirischen Erhebung der wechselseitigen Stereotypen durch die Beantwortung meines Pretests, sowie im Weiteren auch meines Fragebogens einen ganz großen und unverzichtbaren Dienst erwiesen haben.

Zuletzt noch Dank an alle, die mir bei den sprachlichen und stilistischen Korrekturen geholfen haben.

In unseren Zeiten der Globalisierung und im Speziellen, unter dem Eindruck des Faktums eines nach wie vor wachsenden europäischen Zusammenschlusses auf soziologischer, als auch ökonomischer Ebene entstand in mir der Eindruck, dass jedwedes wachsen von tieferen Verständnis zwischen den Völkern Europas auf der empirischen Untersuchung des historisch bedingten Unverständnisses auf soziologischer Basis beruhen muss.

Durch meine Herkunft, als ehemaliger slowakischer Flüchtling und meinen Beobachtungen und Eindrücken meiner heutigen Heimat Österreich entstand das Anliegen in mir, die Oberflächenphänomene, welche die verzerrten und unrealistischen Bildern in beiden Nachbarländern jeweils voneinander repräsentieren, näher zu untersuchen, auf ihre Ursprünge zu stoßen und ihre anachronistische und kontraproduktiven Eigenschaften in unserer Gegenwart zu beleuchten.

Eine der wichtige Zielsetzungen meiner Arbeit ist es also, die wechselseitige Sichtweisen und historisch bedingten Zuschreibungen der Österreicher und Slowaken empirisch-soziologisch zu untersuchen. Hier stieß ich bald auf eine starke historische Kompersistenz, welche dieses Problem zweifelsfrei aufzuweisen hat.

Wenn es sich bei den positiveren Beispielen, welche von mir in meiner Diplomarbeit aufgezeigt werden, noch um wechselseitige Klischees und Stereotypen handelt, so sind im negativeren Feld zumeist abwertende Vorurteile bestimmend. Diese Tatsachen motivierten mich unter anderem dazu, mir dieses Thema als ein Anliegen meinerseits, das spezifische Verständnis zwischen dem Grenzland zum Osten Österreich und dem Grenzland zum Westen, den Nachbarn, die Slowakei in einer umfassenden empirischen Untersuchung aufzudecken, zu beleuchten und hier Ansätze zu einem realistischeren Bild auf beiden Seiten, bzw. der Hinterfragung desselben im wissenschaftlichen Sinne zu bewirken. Hinzu kommt das grundsätzlich verbreitete West-Ost-Denken, das einer imaginären, trennenden Grenze gleichkommt, welche Europa noch heute, also lange nach der Ostöffnung, in zwei Teile spaltet. Eine Teilung, welche in den Köpfen der Menschen, aber nicht auf den Landkarten Wirkung zeigt.

Meine Arbeit habe ich in drei empirische Hauptteile gegliedert:

Im ersten Teil werden die sozio-historischen Beziehungen zwischen der Slowakei und Österreich beleuchtet. Im Laufe des historischen Exkurses werden die engen, ja untrennbaren, Jahrhunderte alten Verknüpfungen zwischen den beiden Ländern in verschiedener Hinsicht dokumentiert.

So war z.B. Wien in manchen Perioden ein Zentrum der slowakischen Intellektuellen. So manchen Nachwirkungen zeugen hiervon bis zur heutigen Zeit. Zum Beispiel Lehnwärter, sowohl in der slowakischen wie auch der Österreichischen Sprache.

Den zweiten empirischen Hauptteil widme ich der Analyse der Presseberichte. Hier werden u.a. die Tendenzen in der Berichterstattung aufgezeigt.

Die Presseberichte sind nach Thematiken geordnet. (Meciar, Mochovce, usw.). Die Recherche wurde von mir selbst in beiden Ländern durchgeführt.

Im dritten Teil präsentiere ich die Ergebnisse der Umfragen, durchgeführt an der Grazer Universität und in der Slowakei an der Universität in Zilina..

Diese Umfrage unterstützt meine Hypothesen über die wechselseitigen Vorurteile.

Eine der ausführlicheren Kapitel behandelt die verschiedenen Kategorien der Stereotypen und Vorurteile. Die wechselseitigen Zuschreibungen von Eigenschaften zwischen den Angehörigen verschiedener Völker ist ein sehr wichtiges Thema in meiner Arbeit und wird deshalb auch dermaßen umfassend von mir behandelt. Sie dienen als eine Art Fundament meiner Hypothesen über die Art der wechselseitigen Wahrnehmungen. Hier in diesem Gesamtkontext interessiert mich die Funktionsweise der Stereotypen, Vorurteile und Images in hohem Maße und werden von mir dementsprechend genau untersucht. Hierbei geht es um die soziologische wie die psychologische Funktion, welche in diesem spezifischen Bezug miteinander zu einer untrennbaren Einheit verschmelzen.

Mein Befund: Stereotypen und Vorurteile haben die Funktion, rasche Orientierungsmodelle zu generieren und somit eine psychische Entlastung zu bewirken und schließlich auch Verhalten anzuleiten. In diesem Zusammenhang spreche ich von einer Orientierungsfunktion, einer Entlastungsfunktion und einer Zuordnungsfunktion, welche einen Maßstab für bestimmte Entscheidungen darstellt, die nach dem Eigengruppe-Fremdgruppe-Verhaltensmodus erfolgen.

Einer der Punkte im Zusammenhang mit der Diskussion des Terminus Vorurteile sind die hiermit verbundenen Begriffe Nationalismus, sowie die Ursachen und Konsequenzen des ethnozentristischen Denkens. Hier ziehe ich den sozio-historisch verifizierbaren Schluss, dass die slawischen Völker immer schon und teilweise auch noch heute als nicht gleichwertig betrachtet werden.

Diese Sicht kam aus meiner Sicht in der k.k-Monarchie sehr vehement zum Ausdruck und hat sich bis zum heutigen Tag nicht wirklich verflüchtigt.

Meine Arbeit beinhaltet in seinem zweiten empirischen Hauptteil eine Analyse von Presseartikeln in Österreich und in der Slowakei über das jeweils andere Land seit dem Jahre 1945. Diese lassen erkennen, wie sehr sich die Aufmerksamkeit der Slowaken in Richtung Europa und Westen, explizit Österreich gewandelt hat.

Der slowakische Kulturverein Matica Slovenska mit Sitz in Martin, welche im Besitze von allen Zeitungen, Zeitschriften, Büchern und anderen Medien ist, konnte mir durch ihre Recherchedienste eine Erhebung über die Häufigkeit von Artikeln zur Verfügung stellen, die das slowakische Nachbarland Österreich zum Thema hatten. Diese Sammlung von medialen Inhalten wurden in der Slowakei, bzw. in slowakischer Sprache herausgegeben. Von 1945 bis 1967 war Österreich der slowakischen Presse nur geringfügige Aufmerksamkeit wert, welche im legendären Jahr 1968 einen kleinen Aufschwung zu verzeichnen hatte. Ins eigentliche Medieninteresse gelangte Österreich in der slowakischen Presse erst seit 1994. Das zeigt deutlich, dass Österreich seit dem Wandel hin zur Öffnung zum Westen mit neuem, wachsenden Interesse bei den Slowaken wahrgenommen wurde. Die Analyse zeigt, dass die Österreichische Berichterstattung über die Slowakei seit den 90er-Jahren hauptsächlich negativ ausgerichtet war. Wenn es sich um Themen wie das Atomkraftwerk Mochovce, den Präsidenten Meciar und die Unterdrückung der slowakischen Minderheiten handelte, kam dies deutlich zum Ausdruck.

Meine von mir eingebrachten Zeitungsrecherchen im Anhang zeigen eine kurze Retrospektive betreffend die Jahre 1993 bis 1996 und vermitteln ein lebhaftes Bild über die Art und Weise, wie Österreich sein Nachbarland Slowakei wahrnahm.

Als weitere Grundlage für die empirische Erhebung der wechselseitigen Stereotypen führte ich einen Pretest in drei slowakischen Städten, Zilina, Martin und Bratislava durch. Es wurden über 200 Personen die folgenden zwei Fragen gestellt: Was fällt Ihnen ein, wenn Sie das Wort `Österreich hören? und "Was fällt Ihnen ein, wenn Sie das Wort `Österreicher` hören?"

Die Ergebnisse meiner Arbeit zeigen ein recht positives Bild Österreichs bei den Slowaken: Stichwörter wie Kultur, Denkmäler, Walzer, Oper, auch Sauberkeit und Ordnung, schöne Natur, gepflegte Städte, Neutralität, Europa, viele gute Waren, Geschäfte, schöne Kleidung usw. sind vorherrschend. Beim Stichwort Österreicher sind es Begriffe wie: solventer, reicher materiell gut gesicherter Mensch, extrem selbstbewusst, seriös aber eingebildet und arrogant. Wenn man die Österreicher fragt, was ihnen zum Thema Slowakei einfällt, sind es Begriffe wie: starr strukturiert, instabil, bürokratisch, schlechtes Sozialsystem.

Während das Stichwort Slowake die Österreicher mit konservativ, eher erfolglos, Nationalist, freundlich, ein guter Gastgeber, nicht besonders selbstbewusst assoziieren.

Ich vermute, dass diese Sichtweise der jeweiligen Länderimages, sowie die Vorurteile den Menschen gegenüber daraus resultieren, dass die Österreicher ihre Informationen über die Slowaken und ihr Land hauptsächlich über die Medien beziehen, die selber relativ stark vorurteilsbehaftet ausgerichtet sind, während die Slowaken ihre Meinung eher aus Bildungseinrichtungen und praktischen Erfahrungen schöpfen, was zu weniger vorurteilserzeugenden Bildern führt.

Weiters ergaben meine Studien, dass die Slowakei noch immer mehrheitlich Osteuropa zugeordnet wird, schneidet also in dieser Hinsicht deutlich schlechter ab als Tschechien.

Für die Hauptbefragung entwickelte ich einen Fragebogen, mit dem jeweils 100 bis 120 Studenten in beiden Ländern an der Universität in Zilina/Slowakei und der Universität Graz befragt wurden. Neben mehreren soziodemografischen Merkmalen enthielt der Fragebogen die Aufforderung, zum Wort Slowakei (in Österreich) sechs Assoziationen anzukreuzen. Die Begriffe wurden dem Pretest entnommen und den Befragten in einer Liste vorgegeben. Ebenso enthielt der Fragebogen ein Polaritätsprofil betreffend die Slowaken, Tschechen, die Deutschen und die Österreicher. In einem angeschlossenen Teil wurde die Frage erhoben, zu welchen Teilen Europas - West-, Mittel- oder Osteuropas - Österreich, die Slowakei, Tschechien, Deutschland und die Ukraine gehören würden. Es gab Aussagen über die Österreichisch-ungarische Monarchie, sowie über die Slowakei und Österreich heute, wie auch die Beziehungen zwischen der Slowakei und Österreich.

In der Auswertung wird wiederum deutlich, dass von österreichischer Seite her negativ behaftete Vorurteile über die Slowakei bestehen (Stichworte, wie Mochovce, Osterweiterung, Ostblock tauchten häufig auf), während die Slowaken von den Österreichern zwar ein klischeebehaftetes, aber eher positiv-romantisches Bild haben. Das Stichwort Nachbarn wird von den Slowaken häufig genannt, wenn man von Österreich spricht. Dies spricht meiner Ansicht nach wieder für die Verschiedenheit der Informationsquellen, aus denen die jeweiligen Menschen der beiden Länder ihre Meinungen entwickeln und bilden.

In meiner Zusammenfassung arbeite ich die wechselseitigen Images noch einmal in aller Deutlichkeit heraus.

Nach Prüfung der vorliegenden Ergebnisse und Schlüsse komme ich zu dem Schluss, dass das Image der Österreicher bei den Slowaken durchaus ein positives ist; Österreich ist ein reiches Land, die Menschen sind sozial gut abgesichert, freundlich, gut angezogen und selbstbewusst; das Land ist gepflegt und sauber und auch relativ sicher. Auch historisch und kulturell wird Österreich als bedeutend betrachtet; eine negative Seite ist, dass Österreicher arrogant sein können.

Demgegenüber ist das Image der Österreicher im Vergleich eher von Vorurteilen geprägt: Die Slowakei ist immer noch nicht ein demokratisches Land, ein Billiglohn-Land, dessen Arbeitskräfte den Österreichischen Arbeitsmarkt bedrohen; arm, rückständig, instabil und auch ein Exporteur von Kriminalität.

Dies ist das Ergebnis meiner Umfrage im Überblick.

Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass ich hoffe mit meiner Arbeit nicht nur allgemein, also für jedwede Länderbeziehung aufzuzeigen, welche Barrieren es zu überwinden gibt, um ein besseres, also realistischeres Bild und somit Verständnis von einem Nachbarland zu erlangen, sondern auch durch das Aufzeigen der Funktionsweisen der wechselseitigen Stereotypen und Vorurteile einen kleinen Beitrag zu einer besseren Völkerverbindung, nicht zuletzt auch im Hinblick auf die EU-Osterweiterung erbracht zu haben.

Univ.-Professor Dr. Max Haller; Leiter INSTITUT FÜR SOZIOLOGIE, Abt. für Gesamtgesellschaftliche Analysen und Methoden d. empirischen Sozialforschung, Graz

 

Profilvergleich

Grafik  

  Dissertation

  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB: mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, BeurkundungsG, BGB-Informationspflichten-Verordnung, Einführungsgesetz, ... Rechtsstand: 1. August 2012
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrecht, mit …
Strafgesetzbuch StGB: mit Einführungsgesetz, …
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, …
Arbeitsgesetze
Basistexte Öffentliches Recht: Rechtsstand: 1. …
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit …
 
   
 
     

This web site is a part of the project StudyPaper.com.
We are grateful to Ivan Siptak for contributing this article.

Back to the topic site:
StudyPaper.com/Startseite/Gesellschaft/Laender

External Links to this site are permitted without prior consent.
   
  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Copyright ©  |  Impressum